Nuwara Eliya weckt Erinnerungen an die britische Kolonialzeit Unsere erste Tour ins Landesinnere von Sri Lanka führte von Colombo nach Nuwara Eliya, der höchstgelegenen Stadt der Insel. Auf der etwa 180 Kilometer langen Strecke bewältigten wir einen Höhenunterschied von mehr als 2.000 Meter. Damit verbunden ist ein beachtlicher Klimawechsel. Statt tropisch schwüler Hitze umwehte uns hier ein laues Lüftchen. Obwohl die Stadt lediglich 750 Kilometer vom Äquator entfernt ist, herrschen hier nur selten Temperaturen über 25 Grad Celsius.
Schon zu Beginn unserer Fahrt bewunderten wir die üppige Landschaft, die uns auch vorbei an Kautschukplantagen führte. Am Wegrand konnten wir beobachten, wie ein Arbeiter einen Kautschukbaum anzapfte, um das Latex zu gewinnen. Diese Bäume, die mit unseren Zimmer-Gummibäumen so gut wie gar nichts gemeinsam haben, erreichen eine Höhe bis zu dreißig Meter. Sechs Jahre lang muss der Baum zunächst wachsen, bis er zum ersten Mal angezapft werden kann. Dann wirft er jährlich zwischen zwei und drei Kilogramm Latex ab und das fast über einen Zeitraum von dreißig Jahren.
Nach einem kurzen Stopp in Avissawella, wo wir einen Hindu-Tempel aus dem 16. Jahrhundert besichtigten, führte uns unsere Route in Richtung Kitulgala. In dieser dschungelartigen Landschaft wurden einst Szenen für den berühmten Film "River-Kwai" gedreht. Unterwegs machten wir Halt, um einen Blick auf den eindrucksvollsten Berg der Insel, den Adams Peak zu werfen. Steil reckt sich seine Spitze dem Himmel entgegen. Auf ihr soll, der Legende nach, Adam einen riesigen Fußabdruck hinterlassen haben. Es heißt, tausend Jahre lang habe der erste Mensch dort auf einem Fuß stehend den Verlust des Paradieses beweint. Heilig ist der Berg, der unter den Einheimischen den Namen Sri Pada trägt, allen Religionen auf Sri Lanka. Für die Buddhisten stellt der riesige Abdruck eine übergroße Fußmarke Buddhas dar. Die Hinduisten sind überzeugt, dass hier der Gott Shiva seine Fußspur hinterlassen hat.
Je weiter wir ins Bergland eindrangen, umso eindrucksvoller empfanden wir das Landschaftsbild. In einem Flussbett beobachteten wir Elefanten beim Baden, in einem kleinen Dorf feierten die Menschen ein Fest. Und immer wieder begeisterten wir uns an rauschende Wasserfälle, die von den Hängen in die Tiefe fielen. An den sprudelnden Wassern konnten wir uns herrlich erfrischen. Aber vor allem prägten große, weitläufige Teeplantagen das Bild. Pflückerinnen bei ihrer täglichen Arbeit winkten uns freundlich zu. Allerdings, auch wenn die Frauen so fröhlich wirken, tatsächlich ist ihre Tätigkeit äußerst anstrengend.
Je mehr wir uns unserem Ziel näherten, umso steiler und enger wurde die Straße. Nach einer etwa 184 Kilometer langen Fahrt hatten wir am späten Nachmittag dann schließlich Nuwara Eliya erreicht. Der anheimelnde Ort versetzt die Besucher ein wenig zurück in die alte, englische Tradition der Kolonialzeit. Vermittelt wird dieser Eindruck nicht nur durch Gebäude im britischen Fachwerkstil, wie das Grand Hotel oder das Postamt, sondern durch die Gesamtatmosphäre. Im Hippodrom finden von Zeit zu Zeit Pony-Rennen statt, man kann eine gemütliche Bootsfahrt auf dem Lake Gregory unternehmen oder auf einen Spaziergang durch die "Victorias Gardens" bummeln. Da ist es fast selbstverständlich ist, dass hier gleich mehrere Goldplätze zur Auswahl stehen.
Ein Engländer namens Sir Humphrey Davy hatte dieses Fleckchen Erde, das mit seinen "Sommerfrischler" - Temperaturen an europäische Verhältnisse erinnert, im Jahr 1800 ausfindig gemacht. Seine Schilderungen waren so voller Begeisterung, dass er damit weitere Neugierige anlockte. Und die waren nicht minder beeindruckt. Soll ließ der Gouverneur Edward Barnes schließlich eine Straße nach Nuwara Eliya bauen, das damals lediglich eine kleine Siedlung in einer Waldlichtung war. Auch für sich selbst sorgte der Gouverneur. Er ließ sich eine Residenz im britischen Fachwerkstil bauen. Heute ist in diesem Gebäude das Grand Hotel eingerichtet, indem auch wir übernachtet hatten. Nach einem typisch britischen Dinner saßen wir noch eine kleine Weile gemütlich vor dem Kamin, bis uns der Schlaf nach dem anstrengenden Tag dann doch übermannte.
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