Sehenswürdigkeiten in Polonnaruwa: Monumentale Buddha-Statuen und archäologische Ruinen aus dem 11. bis 14. Jahrhundert Nach der Zerstörung von Anradhapura durch die Cholas im Jahr 993 wurde die damalige Kleinstadt Pulatthinagara, das heutige Polonnaruwa, von den Eroberern zur neuen Hauptstadt Sri Lankas ernannt. Aber erst König Parakruma Bahu (1153-1186) verfügte über die notwendigen wirtschaftlichen Vorraussetzungen zum Ausbau der Hauptstadt. Die meisten der heutigen sichtbaren Ruinen im archäologischen Park Polonnaruwa stammen aus seiner Regierungszeit.
Unsere Fahrt in Richtung Polonnaruwa führte uns immer wieder auch an Reisfeldern vorbei. Reisanbau besitzt in Sri Lanka eine lange Tradition, die bis in vorchristliche Jahrhunderte zurückreicht. Schon in alten Zeiten sorgten ausgeklügelte Kanalssysteme und Tanks für ausreichende Bewässerung. Heute glaubt man jedoch glaubt oftmals, die Zeit sei einfach stillgestanden. Obwohl rund sechzig Prozent der gesamten Agrarfläche zum Anbau von Reis genutzt wird, muss Sri Lanka das für die Bevölkerung so wichtige Nahrungsmittel nicht selten zusätzlich importieren. Unter anderem ist dies darauf zurückzuführen, dass die meisten Reisbauern vergleichsweise kleine Felder besitzen, die vielfach noch mehr oder weniger per Hand bewirtschaftet werden. Auch heutzutage noch kann man Bauern auf den Feldern beobachten, die ihre Äcker mit dem Wasserbüffel als Arbeitstier pflügen. Und diese Art des landwirtschaftlichen Anbaus ist vergleichsweise unrentabel.
Angekommen in Polonnaruwa, erwartete uns erneut ein intensiver Einblick in längst vergangene Zivilisationen und Kulturen auf Sri Lankas. Zwar sind im archäologischen Park Polonnaruwa meist nur noch Ruinen erhalten, aber mit ein wenig Fantasie kann die alte Pracht zumindest in unseren Gedanken wieder auferstehen. So wie die hoch aufragende Ruine des Königspalastes (Vaijayanta Prasada). Es sind Reste eines einst immens prunkvollen Bauwerks, das über sieben Stockwerke verfügte und mit mehr als 1.000 prachtvollen Räumen ausgestattet war. Heute sind von dem alten Glanz leider nur noch die hohen Ziegelgemäuer, die Grundmauern der, den Palast umlaufenden, Galerien und die große Audienzhalle im Erdgeschoss übrig geblieben.
Der gesamte Palastbezirk umfasste seinerzeit eine Fläche von zehn Hektar und war ursprünglich von einer breiten Mauer umgeben. Ganz in der Nähe des Königspalasts befindet sich die ehemalige Audienzhalle. Auf deren Plattform stehen 33 reich dekorierte Pfeiler, die noch fast vollständig erhalten sind. Eindrucksvoll sind die beiden Mondsteine am Aufgang und die großartigen Friese mit Elefantendarstellungen. Über einige Stufen nach unten gelangten wir zum Königlichen Bad. Welchem Zweck dieses Bad, das durch ein unterirdisches Leitungssystem versorgt wird, einst gedient hatte, ist nicht bekannt. Hier könnten eventuell kultische Riten vollzogen worden sein. Möglich ist aber auch, dass es tatsächlich nur der körperlichen Reinigung oder dem Badevergnügen diente.
Auf einen sehr frühen Typ singhalesischer Baukunst trafen wir auf unserem weiteren Rundgang. Der Vatadage-Rundtempel entstand bereits lange vor der Zeit Königs Parakruma Bahu (1153-1186). Acht mit Darstellungen von Zwergen verzierte Stufen führen zu einer von hohen, von Ziegelmauern umgebenen Terrasse, die einst überdacht war und auf der sich eine kleine Dagoba und vier Buddha-Statuen befanden. Vor dem Treppenaufgang, der von Wächterfiguren umrahmt ist, liegt ein wunderbar gestalteter Mondstein. Gegenüber der Vatadage steht der Hatadage-Tempel. Hier wurde einst der Zahn Buddhas aufbewahrt, der heute als kostbare Reliquie im Zahntempel von Kandy behütet wird.
Weiter in Richtung Nordosten gehend, kamen wir zur Sat Mahal Prasada. Das würfelförmig aufgestockte Bauwerk erinnerte uns in seiner Struktur an Pyramiden. Man nimmt an, dass thailändische Mönche den Stockwerksbau im 12. Jahrhundert errichtet haben.
Aber nicht nur wegen den zahlreichen historischen religiösen und profanen Bauwerke lohnt sich ein Besuch in Polonnaruwa. Ganz intensiv beeindruckt haben uns die riesigen Buddhastatuten in Gal Vihara, die einst direkt aus dem Fels herausgehauen wurden. An erster Stelle die 13,80 Meter lange, liegende Figur des sterbenden Buddha bei seinem Eingang ins Nirwana. Der Kopf, gestützt von der rechten Hand, ruht auf einem runden, reich verzierten Kissen, das unter dem Gewicht des Hauptes leicht eingedrückt wirkt. Ruhe und Erhabenheit strahlt der kunstvolle Faltenwurf des Gewandes aus, das den darunter ruhenden Körper unterstreicht. Ein insgesamt entspannter, harmonischer Anblick, der andachtsvolle Stille und Frieden vermittelt.
Direkt neben dem Kopf des liegenden Buddhas steht eine zweite Statue. Wegen der ungewöhnlichen Haltung der Figur vermutet man, dass es sich in diesem Fall nicht um eine Nachbildung Buddhas handelt, sondern um dessen Lieblingsmönch Anada. Dagegen würde allerdings sprechen, dass die Statue am Kopf- und nicht am Fußende aufgerichtet wurde. Befürworter vertreten jedoch die Ansicht, dass für diese Tatsache die Form des Felsen ausschlaggebend gewesen sei.
Neben diesen beiden Statuen kann man in Gal Vihara noch zwei sitzende Buddhas in Meditationshaltung bewundern. Alle vier Statuen wurden im Auftrag des Königs Parakrama Bahu von einem unbekannten Künstler geschaffen. Sie gehören wahrhaftig zu den Meisterleistungen singhalesischer Kunst.
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