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Im Langhaus bei den Kopfjägern PDF Drucken E-Mail
Montag, 21. Juli 2008 um 16:35
Eine Dschungelnacht bei den Ibans, einstmals gefürchtete Kopfjäger auf Borneo

Im Langhaus der Iban auf BorneoNoch im 19. Jahrhundert waren die Iban, eine indigene Volksgruppe auf der Insel Borneo, die dem Volkstamm der Dayak angehören, als wilde Kopfjäger und Piraten gefürchtet. Noch heute kann man die Schrumpfköpfe, als Trophäen aufgehängt, in den Langhäusern bewundern. In diesen typischen Langhäusern leben mehrere Familien gemeinsam unter einem Dach.

 

Flussfahrt im Dschungel von BorneoDas aufregendste und abenteuerlichste Erlebnis auf unserer Tour durch Borneo war der Besuch bei den Iban im Langhaus. Faszinierend war schon die Anfahrt auf dem Skrang-  Fluss. Mit einem Schnellboot durchquerten wir atemberaubenden, dichten Regenwald, vorbei an fantastischen Bergmassiven, die die Grenze zu Indonesien bilden. Fahrtwind und Regen sorgten für eine erfrischende Abkühlung in der schwülen Tropenhitze.

 

Ankunft beim Langhaus der Iban auf BorneoEs war früher Nachmittag, als wir an unserem Ziel, einem Langhaus der Iban ankamen. Auf einer steilen Treppe, mehr einer Hühnerleiter ähnlich, kletterten wir zu dem auf Stelzen stehenden Wohnhaus hinauf. Durch den ständigen Regen waren die Stufen so klitschig, dass wir beschlossen, unsere Schuhe auszuziehen und, wie die Einheimischen, barfuss nach oben zu kraxeln.

Endlich angekommen, wurden wir von unseren Gastgebern freundlich begrüßt. Wie in Malaysia bei Besuchen üblich und nicht nur für Touristen erdacht, hatten wir vorsorglich kleine Geschenke,  - Reiswein und Süßigkeiten für die Kinder -, mitgebracht. Diese hatten wir auf dem Hinweg in einem ländlichen Laden erstanden.

 

Ibans auf BorneoNun hatten wir Gelegenheit, uns ein Langhaus der Iban einmal aus nächster Nähe anzusehen. Das gesamte Gebäude war in seiner Längshälfte geteilt. Über den kompletten vorderen Bereich verlief ein lang gestreckter Korridor. Dahinter lagen die privaten Wohn- und Schlafräume der einzelnen Familien. Vor den Türen der Privatbereiche befand sich der "Tempuan". Hier verrichten die Bewohner ihre Arbeiten, das Flechten von Matten, Anfertigen von Schmuckstücken oder das Stampfen des frisch geernteten Reis.

 

Küche im Langhaus bei den Iban auf BorneoGemeinschaftliche Aktivitäten werden im mittleren Teil des Korridors, der auch als Durchgang dient, ausgeführt. Kochbereich und Küche liegen wegen der Brandgefahr etwas abseits. Auf der rechten Seite vor der vorgelagerten Veranda waren in dem von uns besuchten Langhaus die Toiletten untergebracht. Unterhalb der Stelzen spazierten die Haustiere, Schweine und jede Menge Hühner. Unser Nachtlager befand sich in einem, etwas weiter untenliegenden Gästehaus. Es war einfach, aber absolut ausreichend.

 

Unser Essen im Langhaus bei den IbanVermutlich wäre ein gemeinsames Abendessen mit den Ibans für unsere Mägen nicht so bekömmlich gewesen. Jedenfalls bereitete unsere Reiseleiterin für uns extra ein "normales" malaiisches Gericht zu, das uns vorzüglich schmeckte. Erst nach dem Mahl trafen wir dann alle auf dem Korridor wieder zusammen. Der mitgebrachte Reiswein wurde ausgeschenkt, - auch uns wurde davon angeboten -, und damit begann der stimmungsvolle Abend, an dem wir von unseren Gastgebern mit traditioneller Musik und Tänzen verwöhnt wurden.

 

Verteilung der Leckereien an die Kinder der IbanZunächst erst zögerlich, dann von den Erwachsenen mit dem Versprechen auf spätere Süßigkeiten ermuntert, demonstrierten zunächst die Kinder ihre Tanzkünste. Dafür gab's anschließend auch gleich die versprochene Belohnung. Jedes der Mädchen und Jungen, die sich im Kreis niedergelassen hatten, erhielt gerechter Weise den gleichen Anteil an Leckereien.

 

 

Kriegstanz der Iban auf BorneoMittlerweile hatten die Iban-Kriegstänzer und -Frauen ihre prachtvollen Festgewänder angelegt. Mit anmutigen Bewegungen tanzten sie zu den eintönigen Klängen der Gongmusik und wirbelnden Trommeln. Uns begeisterten besonders der aufwendige Kopfschmuck der Frauen und die wilden Bewegungen der Krieger.

 

 

Eine Iban-Frau auf Borneo beim TanzLeider viel zu schnell ging der Abend zur Neige. Die Bewohner im Langhaus gehen nämlich bereits kurz nach Einbruch der Dunkelheit schlafen, und die kommt in den Tropen recht früh. Dafür stehen sie dann auch am nächsten Morgen mit dem ersten Sonnenstrahl im wahrsten Sinne des Wortes mit den Hühnern auf. Es gab ja auch kein elektrisches Licht im Langhaus, abends werden Kerzen angezündet. Da kommt es wahrscheinlich von ganz alleine, dass man sich früh zu Bett begibt. Für uns Gäste stand zwar extra ein Generator zur Verfügung, aber wir wollten unsere Gastgeber, die uns so freundlich und zuvorkommend aufgenommen hatten, nicht mit übermäßigen Kosten strapazieren. Also begaben auch wir uns früh zur Ruhe.

Die Nacht im Dschungel werden wir wohl nie vergessen. Wie aus gewaltigen Eimern gegossen, prasselte der Tropenregen in der tiefschwarzen Dunkelheit auf die Erde nieder. Wir lauschten fasziniert auf das gleichmäßige Rauschen des Wassers, das von den nächtlichen Geräuschen des Urwalds untermalt wurde. Ein Wiegenlied der ganz besonderen Art geleitete uns durch den Schlaf…

 

Totenköpfe bei den Ibans auf BorneoAm nächsten Morgen betrachteten wir zum ersten Mal bei Licht die grausig imposanten Totenköpfe, die als Trophäen auf dem Korridor aufgehängt waren. Sie erinnerten uns gruselig an die Vergangenheit der Iban, als es als ehrenvoll galt, einen Kopf erbeutet zu haben. Dabei war es egal, ob die Siegestrophäe im Kampf mit einem feindlichen Krieger errungen worden war, oder ob es sich um das Haupt einer Frau oder eines Kindes handelte. Man glaubte, dass durch den Besitz des Schädels die Lebenskraft des Verstorbenen auf den Eroberer übergehe. Wir waren heilfroh, dass die Iban heute keine Kopfjäger mehr sind und sich stattdessen dem Anbau von Trockenreis widmen.

 

Hängebrücke auf BorneoBevor wir zu einer Wanderung durch den umgebenden Dschungel aufbrachen, bewies uns einer der Iban seine Geschicklichkeit bei der Handhabung des Blasrohrs. Dabei handelt es sich um ein langes, ausgehöhltes Rohr, aus dem vergiftete Pfeile geschossen werden. Seine Treffsicherheit versetzte uns in wahres Erstaunen. Früher wurden die Blasrohre auch im Kampf verwendet, heute werden sie bei der Jagd eingesetzt.

Unser Führer durch den Dschungel imponierte uns durch seine umfangreichen Kenntnisse von der Flora des Regenwalds. Er wusste genau, welche Heilwirkungen bestimmte Pflanzen innehaben, für was sie verwendet werden können, oder ob es sich um giftige Exemplare handelt. Nur leider waren wir in der kurzen Zeit überhaupt fähig, alles in unserem Gedächtnis aufzufangen.

 

Schule der Iban auf BorneoÜber eine wackelige Hängebrücke gelangten wir schließlich auf die gegenüberliegende  Flussseite. Auf einer kleinen Anhöhe stand die Schule. Während der Woche verweilen die Kinder hier in Nebengebäuden, erst am Wochenende kommen zu wieder ins Langhaus zurück. Der Schulweg wäre jeden Tag einfach zu weit und zu beschwerlich.

 

PfefferpflanzeZum Schulbereich gehörte auch ein Lehrgarten. Hier konnten wir nun an Ort und Stelle bestaunen, wie der Pfeffer wächst. Die Früchte werden von einer Kletterpflanze gewonnen, die an Bäumen emporwächst. Lediglich der unterschiedliche Reifegrad und die jeweilige Verarbeitung bestimmen die uns bekannten, verschiedenartigen Sorten des Pfeffers; Grüner, schwarzer, weißer oder roter Pfeffer.

 

 

 

 

 

KakaofruchtUnd auch die Gewinnung des Kakaos konnten wir bei dieser Gelegenheit kennen lernen. Die Bohnen entstammen dem Samen des Kakaobaumes. Zunächst werden die am Stamm wachsenden Früchte mit der Machete abgeschlagen. Nachdem die Frucht geteilt ist, sieht man die Bohnen im weißen Fruchtfleisch liegen. Aber welch ein Schrecken, als wir sie probiert hatten. So was von bitter !!! Belächelt wurden wir aufgeklärt. Bevor die Bohnen für den Export in Säcke verpackt werden, steht ein aufwendiger Verarbeitungsprozess mit Gärung und Trocknung auf dem Plan, dadurch verlieren die Bohnen ihre Bitterstoffe.

 

Nun ging es wieder zurück zum Langhaus und zu dem auf uns wartenden Boot. Ein klein wenig wehmütig nahmen wir Abschied. Nicht, dass wir davon träumten, uns nun auch im Dschungel niederzulassen, es war vielmehr der Gedanke, dass diese alten Traditionen mehr und mehr der Zivilisation zum Opfer fallen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts verlassen immer mehr junge Iban ihre Langhäuser und wandern in die Städte aus, weil sie sich hier ein besseres und leichteres Leben erhoffen. Lediglich in den Ferien oder auch mal am Wochenende kehren sie in die Dschungelheimstätten zurück. Nur noch die "Alten" leben nach der Tradition. Und eines Tages wird diese, wie so viele andere auch, vielleicht vollkommen in Vergessenheit geraten…

 

Unser Buchtipp zum Thema:

Wild unter Wilden. Bei den Kopfgeldjägern Borneos.

 

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Aktualisiert ( Dienstag, 22. Juli 2008 um 11:05 )
 
 

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