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Sigiriya – Festung eines Vatermörders Drucken E-Mail
Freitag, 04. Juli 2008 um 09:51
Überreste erstaunlicher Bauwerke und die schönsten Damen Sri Lankas: die Felsenfestung Sigiriya

Der Felsen Sigiriya auf Sri LankaAuf dem 200 Meter hohem Magmablock eines erodierten Vulkans, der sich inmitten von Reisfeldern, Seen und Dschungel steil aus der Ebene erhebt, ruhen die Ruinen eines einstmals prachtvollen Palastgebäudes, das König Kassapa (473-491) vor rund 1.500 Jahren hier errichten ließ. Berühmt wurde die Anlage aber in erster Linie wegen der einzigartigen Fresken, den so genannten "Wolkenmädchen". Die zauberhaften, nur leicht verhüllten Damen, die hier an den Fels gemalt wurden, bezauberten damals und heute den Betrachter. Im Jahr 1982 deklarierte die UNESCO Sigiriya zum Weltkulturerbe.

 

Blick auf den Fels Sigiriya auf Sri Lanka

Sehr, sehr früh am Morgen, brachen wir nach Sigiriya auf, um noch die Festung auf dem Felsen noch vor dem üblichen Touristenansturm zu erreichen. Und tatsächlich waren wir die ersten, die an diesem Tag an dem außergewöhnlichen Touristenanziehungspunkt eintrafen. Schon von der Ferne bietet der steil aus der Ebene herausragende Felsen einen imposanten Eindruck. Und auf der oberen Plattform hatte König Kassapa eine grandiose Palastanlage bauen lassen, von der heute allerdings nur noch die Grundmauern zu sehen sind.

 

Palastreste in Sigiriya - Sri LankaUm den Bau dieser Festung webt sich eine spannende Geschichte um Grausamkeit, Mord, Rache und Kampf. Im Jahre 459-477 regierte König Dhatusena über Sri Lanka. Er besaß zwei Söhne und eine Tochter. Weil sein ältester Sohn, Kassapa, von einer Gemahlin niederer Herkunft stammte, bestimmte Dhatusena den jüngeren Bruder Moggallana als Thronfolger. Seine Tochter vermählte er standesgemäß mit dem obersten Heerführer Migara. Offensichtlich verlief die Ehe nicht gerade glücklich. Eines Tages peitschte der Heerführer seine Gattin auf grausame Weise aus und diese beklagte sich darüber bei ihrem Vater. Der König rächte sich daraufhin brutal an seiner Schwester, der Mutter Migaras. Er ließ sie nackt bei lebendigem Leibe verbrennen.

 

Lustgarten in Sigiriya - Sri LankaMigara nahm diese Schmach zum Anlass, Kassapa zu bestärken, sich gegen seinen Vater zu erheben und ihn zu stürzen. Die Entmachtung gelang. Da Kassapa aber nur leere Schatzkammern vorfand und sein Vater ihm auf Nachfrage erklärte, der Stausee Tissawewa sei sein gesamter Reichtum, erzürnte der Königssohn schrecklich. Aus Wut ließ er seinen Vater von Migara lebend einmauern. Nun musste sich Kassapa vor der Rache seines Bruders schützen, der nach Südindien geflüchtet war. Und so baute er die uneinnehmbare Festung Sigiriya.

 

Treppen zum Aufstieg auf den Sigiriya-FelsenAls aber Moggallana im Jahr 405 tatsächlich mit einem großen Heer in Richtung Sigiriya anrückte, verließ Kassapa dann doch seine sichere Zuflucht und stellte sich seinem Bruder im offenen Kampf. Zunächst war das Kriegsglück auf der Seite Kassapas, aber dann geschah ein Unglück, und das Blatt wendete sich. Als sein Elefant scheute und sich rückwärts wandte, sah das Heer dies als Zeichen des Rückzugs. Die Niederlage war besiegelt, Kassapa begann Selbstmord. Moggallana überließ die Festung Sigiriya buddhistischen Mönchen und machte Anuradhapura wieder zur Hauptstadt Sri Lankas.

 

 

Wasserbecken in SigiriyaAllein die Überreste der einstigen Siedlung und Gärten vor dem Felsen lassen auch heute noch erahnen, welche prachtvolle Anlage hier einst gestanden haben muss. Die Stadt war umgeben von einem Wassergraben. Man findet Überreste von Springbrunnen, Pavillons und einem Kloster. Besonderes interessiert hat uns das riesige Wasserbecken. Es heißt, der König habe hier seinen zahlreichen Gemahlinnen beim Nacktbaden zugeschaut.

 

Fresken der Wolkenmädchen in SigiriyaInsgesamt 1.860 Stufen muss man erklimmen, um auf den Fesen aufzusteigen. Ein nicht ganz unbeschwerlicher Weg. Auf halber Höhe gelangten wir zu einem Felsabschnitt, von dem aus eine schwindelerregende Metalltreppe zu einem der fantastischsten Sehenswürdigkeiten auf Sri Lanka führt, den Fresken der "Wolkenmädchen". Von den ursprünglich abgebildeten Schönheiten sind heute leider nur noch 21 Darstellungen erhalten.

 

Freske der Wolkenmädchen in SigiriyaBildhübsche Frauengestalten, hell- und dunkelhäutige, in durchsichtigen Gewändern, mit Blüten oder Früchten in den Händen, bieten sich dem bewundernden Auge des Betrachters. Um die Hüften der Damen schwingt sich ein Stofftuch, der untere Teil verschwindet in Wolken. Deshalb erhielten sie den Namen "Wolkenmädchen". Unklar ist, ob es sich bei den Gemälden um die 500 Gemahlinnen des Königs gehandelt hat, oder ob sie himmlische Wesen aus dem Paradies darstellen sollten.

 

 

 

 

Die Spiegelgalerie auf dem Sigiriya-FelsenNachdem wir uns von dem Anblick der weiblichen Schönheiten wieder losgerissen hatten, ging's die Wendeltreppe wieder zurück und am Ende nach links, wo eine hohe Mauer den Weg begrenzt. Auf dem ockerfarbenen Anstrich, der noch originalgetreu aus dem 5. Jahrhundert stammt, kann man Hunderte von alten Inschriften (Graffiti) sehen. Sie stammen aus der Zeit zwischen 5. und dem 13. Jahrhundert und gelten als die ältesten Zeugnisse singhalesischer Dichtkunst. Die meisten Inschriften beziehen sich auf die Abbildungen der wunderbaren Frauengestalten. Diese Mauer wird auch als "Spiegelgalerie" bezeichnet. Zu Lebzeiten des Königs war nämlich die Oberfläche der Wand derart glatt poliert, dass sich auf ihr die Fresken auf der andren Seite spiegelten.

 

Das Löwentor in Sigiriya - Sri LankaImmer weiter hinauf führte uns der beschwerliche Aufstieg. Unter uns breiteten sich die Dschungellandschaft und das untere Gelände Sigiriyas aus. Schließlich erreichten wir die Terrasse auf dem Plateau der nördlichen Schmalseite des Felsens. Hier umrahmen zwei riesige Löwenpranken eine steile Steintreppe. Über die Bedeutung der Tatzen herrscht Unklarheit. Man vermutet, dass Kassapa eventuell auch den Kopf eines Löwen hier hatte bauen lassen, und dass der Zugang zum Gipfelpalast vielleicht nur durch das Maul des Raubtiers möglich war. Könnte sich der Name Sigiriya aus "sinha" und "giri" zusammensetzen, was Löwenmaul bedeuten würde. Oder wird "giri" mit Berg gleichgesetzt. In diesem Fall würde der Name "Löwenberg" bedeuten.

 

 

Der steile Aufstieg zum Sigiriya-FelsenFragen, die wir natürlich weder bei unserem Besuch noch heute beantworten können. Für mich war an dieser Stelle die Besichtungstour Sigiriya sowieso zu Ende. Warum? Oberhalb der steilen Treppe inmitten der Löwenpranken winden sich schmale Metallstufen den Fels hinauf. Für mich war der Anblick von unten schon derart erschreckend, dass an ein Klettern zur oberen Plattform des Felsens überhaupt nicht mehr zu denken war. Zum ersten Mal in meinem Leben, musste ich mir selbst und vor anderen eingestehen, dass ich tatsächlich unter Höhenangst leide…

 

So blieb mir natürlich leider auch der fantastische Anblick von oben auf die sich unten ausbreitende Landschaft versagt. Ebenso wenig konnte ich die archäologischen Überreste der ehemaligen Palastanlage bewundern. Aber so ist das halt manchmal im Leben! Dennoch wird mit Sigiriya und seine Geschichte immer in der Erinnerung verhaftet bleiben.

 

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Aktualisiert ( Freitag, 04. Juli 2008 um 10:17 )
 
 

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