„Eigentlich wollten wir nur Urlaub in Australien machen, doch es wurde eine Reise um die halbe Welt... fast 50.000km in über 13 Monaten!"
Zwei Freunde und ein Motorrad-Gespann auf Abwegen unterwegs zum fünften Kontinent! Es fällt schwer, aber nach einigen Tagen müssen wir uns losreißen. An einem wunderschönen Sonntag brechen wir auf, um weiter der Küste des Marmarameeres zu folgen, jetzt nach Süden, Richtung Canakkale, das gegenüber von Gelibolu auf der asiatischen Seite des Hellesponts liegt. Tatsächlich, wir sind schon in Asien. So einfach geht’s, man fährt über eine Brücke, und schon ist man auf einem anderen Kontinent. Vom Okzident zum Orient in wenigen Minuten - Wahnsinn!
Die alten Griechen nannten dieses Land schon Anatolien (Morgenland), und entlang der Mittelmeerküste findet man mehr griechisch-römische Relikte als türkische, wie z.B. Troja, Assos und Ephesos, deren Ruinen wir uns begeistert ansehen. Auf einmal erlangen all die Fakten aus der Schule, die irgendwo im Hinterkopf abgelegt waren, neues Leben, sprödes Wissen ein Gewand. Geschichtsunterricht live. Bei Kusadasi baden wir ein letztes Mal in quasi heimischen Gewässern, der tiefblauen Ägäis. Das nächste Mal, dass wir im Meer baden würden, sollte erst wieder in Goa, Indien sein. Wir haben genug von den Touristenhochburgen an der Küste gesehen, unser neuer Kurs ist 90°C, der aufgehenden Sonne entgegen. Das Thermometer, dass wir in Kusadasi erstanden hatten, um endlich einmal zu wissen, welchen Anteil an unserer übertriebenen Transpiration die Angst hat, zeigt 40°C im Schatten an, und je weiter wir uns von der Küste entfernen, wo wenigstens noch eine leichte Brise Linderung brachte, desto unerträglicher wird die Hitze. Die pelzige Zunge - ein bisschen Abschied mussten wir schon feiern in Kusadasi - macht die Lage auch nicht unbedingt angenehmer. Auch das Moped hat mit der Hitze zu kämpfen, gerade wenn es sehr warm ist, fällt es dem Motor schwer dem fetten Gemisch etwas abzugewinnen. Eigentlich sollte der temperaturgesteuerte Lüfter vor dem Wasserkühler Abhilfe schaffen, aber der springt nur sehr selten an, wir bauen deshalb um auf Handbetrieb, jetzt können wir das Ding zuschalten, wann wir wollen.
In Pamukkale, 200km von der Küste, wo die berühmten Kalkterrassen täglich hunderte von Touristen zu einem mehr oder minder erfrischenden Fußbad nebst herrlichem Ausblick auf die unendlich scheinende Salzsteppe einladen, schütten wir uns erst einmal eine eiskalte Cola ein, dann machen wir es uns auf einem kleinen Campingplatz direkt unterhalb der Terrassen bequem.
Der lange Weg nach Australien: Logbuch einer Gespannreise ZURÜCK |