Natur pur - Erlebnis auf der Bootstour zum Piranha-Fischen durch das Orinoc-Delta.
Etwa 41.000 Quadratkilometer umfasst das Mündungsbiet des Río Orinoco, der an seiner breitesten Stelle über 16 Kilometer misst. Vierzig Flussarme und 194 Nebenflüsse durchziehen das tropische Feuchtgebiet, das von einer üppigen Vegetation und vielseitigen Tierwelt beherrscht wird. Das Delta hat sich seit seiner Erkundung durch den deutschen Naturforscher Alexander von Humboldt (1769 - 1859) bis heute kaum verändert.
Ein bisschen fühlten wir uns schon als Nachfolger von Alexander von Humboldt, als wir mit unserem Boot durch die engen, an beiden Seiten dicht bewachsenen Wasserstraßen fuhren. Auch heute noch taucht man hier ab in eine andere, vom Menschen kaum berührte, Welt. In natürlicher Eintracht wachsen hier Pflanzen, leben Tiere und die Warao Indianer in ursprünglicher Harmonie.
Die zahlreichen Flussarme und Nebenflüsse führen durch dichten tropischen Regenwald und Mangroven. In dieser unberührten Natur herrscht ein schier unglaublicher Reichtum an Flora und Fauna. Nicht immer sind die einzigartigen Vogelarten, die hier nisten, leicht zu erkennen. Es lohnt sich, ein Fernglas mitzunehmen. In immergrünen Dschungel tummeln sich tausende von Schmetterlingen, schwingen sich Affen durch den Urwald, verkriechen sich Reptilien, wie Leguane und Alligatoren. Durch ihr buntes Gefieder leicht zu erkennen, sind die mehr als 300 unterschiedlichen Papageienarten. So gut wie nie bekommt man allerdings die Riesen- und Würgeschlangen zu Gesicht, eine Anakonda oder eine Boa Boa. Während die Boa Boa eine Länge von sechs Meter erreichen kann und sich nur an Land aufhält, kann die doppelt so große Anakonda ihre Opfer auch im Wasser überraschen und erdrücken.
An den Ufern erblickt man von Zeit und Zeit die Pfahlbauten (Palafitos) der Warao-Indianer, die hier entlang der Wasserwege im Delta des Orinoco ihre Existenzgrundlage gefunden haben. Noch immer fahren sie nach alter Tradition mit ihren Curiara, eine Art Einbaum, zum Fischfang. Fisch gehört nämlich zum Hauptbestandteil ihrer Ernährung. Dazu passt, dass der Name Warao übersetzt "Mann mit Boot" bedeutet.
Immer weiter dringen wir auf den engen Wasserarmen in die Dschungelwelt ein. Ohne dass ich eigentlich Angst habe, kommen mir Gedanken durch den Kopf, dass, sollte dass Boot kentern, es äußerst schwierig wäre, durch die Mangroven hindurch an Land zu gelangen. Und dann? Dann wäre man ja trotzdem im dichten Netz der Dschungelwand gefangen. Hier kann man sich nur mit dem Boot fortbewegen. Und wir können froh sein, dass wir einen erfahrenen Führer dabei haben. Wer könnte sich sonst in dem dichten Gewirr an Wasserwegen zurechtfinden!
An einem kleinen Indianerdorf legen wir, beobachtet von neugierigen Kindern, eine kleine Rast ein und stärken uns ein wenig für die Weiterfahrt. Hier wird auch bereits das Fleisch für unsere Piranha-Fischerei geschnitten, rohe Leber- und Rindfleischstückchen. Voll spannender Vorerwartung steigen wir wieder ins Boot, schließlich sind wir wegen des Abenteuers des Fischens von Piranhas hierher gekommen.
Es dauert noch immer eine ganze Weile, bis wir endlich einen ruhigen Seitenarm gefunden haben, wo wir anhalten und nun endlich die Angelruten auswerfen. So schnell können wir kaum gucken, wie die Piranhas nach den blutigen Fleischködern schnappen, bald wimmelt nur so es um uns herum von den Fischen. Vor lauter Begeisterung und Beobachtung vergessen wir dabei den eigentlichen Zweck, nämlich einen Fisch zu fangen. Zum Glück denken andere Begleiter und unser Führer da anders und bald haben wir einen guten Fang zusammen.
Man kann es schon mit der Angst zu tun bekommen, wenn man beobachtet, wie schnell die Piranhas mit ihren äußerst scharfen Zähnen zubeißen und, vor allem, wie viele sich in Windeseile versammeln. Allerdings gehen die Meinungen über die tatsächliche Gefährlichkeit dieser Fische auseinander. In den meisten Fällen, in denen Menschen von Piranhas angegriffen wurden, blieb es bei kleineren Bisswunden. Allerdings reagieren die Fische teilweise aggressiv auf die Farbe Rot und ein großer Schwarm könnte Menschen tatsächlich gefährlich werden. Bisher ist jedoch ein solch brutaler Angriff nirgendwo dokumentiert.
Unseren Fischfang haben wir übrigens am Ende den Indianern übergeben, die sich über das leckere Mahl gefreut haben.
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