Salvador da Bahia war die erste Hauptstadt Brasiliens und wichtigster Importhafen für den Sklavenhandel aus Afrika Die Küstenstadt Salvador, nach São Paulo und Rio de Janeiro mit fast 3 Millionen Einwohner die drittgrößte Stadt Brasiliens, ist nicht umsonst eine der beliebtesten Touristenstädte des Landes. Nicht nur die zahlreichen Sehenswürdigkeiten, sondern ganz besonders die ausgelassene Lebensfreude der Einwohner und der afro-brasilianische Rhythmus, der überall auf Plätzen und Straßen vibriert, begeistern die Besucher.
Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts war Salvador da Bahia einer der bedeutendsten Umschlagplätze für Afrikaner, die von den Portugiesen aus Westafrika verschleppt und auf dem Sklavenmarkt Pelourinho (Pranger) zum Kauf angeboten wurden. Sie brachten ihre eigene Kultur mit in das fremde Land. Durch Vermischung mit europäischen Einflüssen entwickelte sich eine spezielle afro-brasilianische Kultur, die auch heute noch überall in Salvador zu spüren ist und den ganz besonderen Reiz dieser Stadt ausmacht.
Die verschiedenen Ebenen der Bergkette, auf denen Salvador gebaut ist, unterteilen die Stadt in zwei Bereiche: Cidade Baixa (Unterstadt) und die siebzig Meter höher gelegene Cidade Alta (Oberstadt). Beide sind durch sehr steile Straßen, eine Seilbahn und einen riesigen, elektrischen Aufzug, dem Elevador Lacerda, miteinander verbunden. Eine Fahrt mit dem Aufzug ist schon deshalb zu empfehlen, weil man von dort einen herrlichen Rundblick über die Umgebung genießt.
Die Unterstadt liegt am Hafen. In neuerer Zeit wurden viele der alten Häuserblocks durch moderne Bank- und Bürohochhäuser ersetzt. Hauptattraktion in der Cidade Baixa bildet der Mercado Modelo. Der ehemalige Umschlagplatz für Lebensmittel, Vieh und Genussmittel war in der Zeit von 1917 bis 1984 mehrmals abgebrannt. Heute werden in dem wieder aufgebauten Gebäude auf mehreren Stockwerken Kunstgewerbeprodukte und afro-brasilianische Kultgegenstände angeboten.
Jeden Samstag ist der Markt Schauplatz von Capoeira - Vorführungen. Ursprünglich diente der brasilianische Kampftanz Capoeira zur Selbstverteidigung der afrikanischen Sklaven. Training und Ausübung des Kampftanzes waren ihnen strengstens untersagt, harte Strafen wurden bei Missachtung des Verbots ausgeübt. Dennoch wurde die Technik immer weiterentwickelt, Einflüsse von anderen Kampfsportarten wie Ringen, Jiu-Jitsu und Wushu vermischten sich. Heute gehört die Capoeira, bei der harmonische Bewegungen, Musik und Akrobatik miteinander verschmelzen, zu den Nationalsportarten in Brasilien. In Salvador gibt es zahlreiche Schulen für Capoeira, darunter auch einige für Touristen.
Rund um den Mercado Modelo findet man zahlreiche Bar und Restaurants, in denen man die schmackhafte, bahianische Küche genießen kann, die unter den Einflüssen verschiedenster Kulturen entstanden ist. Ihr besonderes Geheimnis liegt in den exotischen Gewürzen, wie Dendé-Palmöl aus Afrika oder Olivenöl aus Portugal, und den in Brasilien wachsenden Kräutern und Gewürzen, zum Beispiel roter Pfeffer, Ingwer, Koriander und Muskat. Zu den beliebtesten Delikatessen gehören jede Art von Fischen und Meeresfrüchten. Nach einem genussvollen Abendessen kann man sich am besten in dem beliebten Vergnügungsviertel rund um den Leuchtturm Farol da Barra amüsieren.
Schon in der Vergangenheit lebten in der Cidada Alta, der Oberstadt, die Reichen und Wohlhabenden. Davon zeugen auch heute noch Herrensitze und Villen, sowie eine mannigfache Anzahl an Kirchen. Es heißt, dass es in Salvador 365 Kirchen gibt, für jeden Tag eine andere. Selbst wenn es nicht ganz so viele sind, sie sind fast alle sehenswert, denn keine gleicht der anderen, jede ist ein Kunstwerk für sich. Zu den schönsten Kirchen der Stadt zählt die "Igreja da Ordem Terceira de São Francisco". Sie gehört zu einem gleichnamigen Kloster und wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut. Vor allem ihre mit einzigartigen Barockskulpturen verzierte Fassade ist bewundernswert.
Um die herrlichen Kirchen im Einzelnen bestaunen zu können, empfiehlt es sich, die Altstadt zu Fuß zu erkunden. Besichtigen sollte man in jedem Fall die aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammende Basilika-Kathedrale oder auch die "Igreja Rosário dos Pretos" (Kirche vom Rosenkranz der Schwarzen). Nur in dieser Kirche durften die schwarzen Sklaven in zum Glück vergangenen Zeiten am Gottesdienst teilnehmen.
Touristischer Anziehungspunkt in der Oberstadt ist der Stadtteil Pelourinho. Er wurde 1985 von der UNESCO zum Kulturerbe der Menschheit deklariert. Der Name Pelourinho bedeutet Pranger und erinnert einen kleinen Platz, auf dem ehemals Sklaven und Kriminelle öffentlich bestraft wurden. Nach Ende der Sklaverei, Ende des 19. Jahrhunderts, war Pelourinho Anziehungspunkt zahlreicher Künstler: Musiker, Maler und Schriftsteller. Im Laufe der Jahrzehnte verfiel das Viertel jedoch immer mehr, Häuser und Straßen verkamen, die Menschen hausten unter äußerst ärmlichen und miserablen Bedingungen. Seit 1993 hat man die herrlichen alten Kolonialbauten aus dem 17. Jahrhundert jedoch aufwendig restauriert. Heute ist der Stadtteil voller Leben, rhythmische Klänge der afro-brasilianischen Musik ertönen in den Straßen, Gassen und auf öffentlichen Plätzen.
Im Zentrum der alten Oberstadt befindet sich der Praça Tomé de Souza, auch Praça Municipal genannt. Hier steht die Paça Muncipal, das Rathaus, ein Bewerk aus dem 16. Jahrhundert und der Palácio Rio Branco. Dieser Palast war zu der Zeit, als Salvador noch Hauptstadt von Brasilien war, Sitz des Generalgouverneurs und damit über lange Zeit ein bedeutendes Machtzentrum des portugiesischen Kolonialreichs.
Über die Rua da Misericórdia gelangt man zum Platz Terreiro de Jesus. Hier trifft man immer wieder auf Frauen in der typischen, ausladenden Bahia-Tracht, die heutzutage allerdings leider meist nur noch für die Touristen angelegt wird.
Wenn man sich intensiver mit der afro-brasilianischen Kultur auseinandersetzen möchte, lohnt sich ein Besuch im Museo der Arte Sacra. Neben einer umfangreichen Sammlung sakraler Kunstwerke aus Brasilien beherbergt das Museum zahlreiche Kultgegenstände, die im Zusammenhang mit den religiösen Riten der afro-brasilianischen Kultur stehen, insbesondere dem Candomblé-Kult. Afrikanische Sklaven brachten ihre Vorstellungen von Göttern, Zauberern und Ahnenverehrung mit in die neue Welt, daraus entwickelte sich die Candomblé-Religion. Gleichzeitig kam es zu einer Vermischung des Katholizismus mit der traditionellen Götterverehrung. Trotz Verbote und drastischer Bestrafungen bei Ausübung konnte sich der Candomblé-Kult bis in die heutige Zeit erhalten. In einigen Fällen ergibt sich auch für die Touristen die Möglichkeit, derartigen Kulthandlungen beizuwohnen.
Letztendlich bleibt zu sagen, Salvador da Bahia kann man nicht beschreiben, man muss die Lebensfreude, die Musik und den Rhythmus hautnah erleben und spüren. Erst dann weiß man, dass Salvador in Brasilien eine der aufregendsten Städte der Welt ist… ZURÜCK
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