Nach dem Plan eines Flugzeugs künstlich auf dem Reißbrett erschaffen: Brasilia In der Mitte Brasiliens, auf einem zentralen Hochplateau in 1.172 Meter Höhe, rund 1.200 Kilometer von der Küste entfernt, liegt die Hauptstadt Brasiliens, das hochmoderne Brasilia. Am 7. September 1987 wurde die "Modernste Hauptstadt der Welt" von der UNESCO zum "Weltkulturerbe der Menschheit" deklariert. Im März 2008 wurde Brasilia der Titel "Kulturhauptstadt Amerikas 2008" verliehen.
Am Anfang stand lediglich eine Idee. Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es Überlegungen, den Regierungssitz Brasiliens von Rio de Janeiro ins Hinterland zu verlegen. Mit der eigentlichen Planung wurde jedoch erst 1956 unter der Präsidentschaft von Juscelino Kubitschek begonnen. Zuvor hatte man acht Jahre lang intensive Vermessungsarbeiten durchgeführt. Vor Baubeginn gab es dann eine öffentliche Ausschreibung. Man wollte die besten und kreativsten Köpfe für das gewagte Projekt. Als Sieger gingen schließlich der brasilianische Architekt Oskar Niemeyer, der bereits durch seinen Entwurf für das UN-Gebäude Berühmtheit erlangt hatte, und der Städteplaner Lúcio Costa hervor.
Gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Roberto Burle verwirklichten sie einen Traum und schufen die "modernste Hauptstadt der Welt". Nach nur vier Jahren Bauzeit konnte Präsident Kubitschek am 21. April 1960 die neue Hauptstadt Brasiliens einweihen. Allerdings fehlte in den meistern Hotels noch das vollständige Mobiliar. Selbst die Kathedrale, in der der Einweihungsgottesdienst stattfinden sollte, war noch nicht fertig gestellt. Dennoch wurde die neue Hauptstadt Brasiliens voller Stolz der Welt vorgestellt. Staatsbeamte und Diplomaten zeigten jedoch wenig Lust, die alte, lebhafte Hauptstadt Rio de Janeiro zu verlassen und nach Brasilia umzuziehen. Die Regierung sah sich deshalb genötigt, eine Frist bis zum 7. September 1972 festzusetzen. Wer bis dahin den Umzug nicht vollzogen hatte, dem drohte der Verlust seiner Stellung, bzw. seiner Immunität.
Man kann das verstehen. Tatsächlich bietet Brasilia architektonisch einen einmaligen, überwältigen Anblick. Aber trotz großflächig angelegter Grünanlagen, einem künstlich geschaffenen See, Einkaufszentren und vielseitiger Freizeitattraktionen mangelt es auch heute noch immer an einer speziellen Atmosphäre, wie man sie von anderen Großstädten und natürlich erst recht ganz besonders von Rio de Janeiro gewohnt ist.
Dennoch hat Brasilia für den Touristen einiges zu bieten. Durch die Höhenlage herrscht hier ein angenehm mildes Klima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 20,7 Grad Celsius. Oskar Niemeyer als Architekt hat dafür gesorgt, dass man quasi an jeder Straßenecke interessante Sehenswürdigkeiten entdecken kann. Hierzu gehört unter anderem die eindrucksvolle "Catedral Metropolitana", ein absolutes Meisterstück des Architekten. 16 gleichartige Betonsäulen strecken sich an dem kreisrunden Bau in die Höhe. Über die Symbolik herrscht Unklarheit. Je nach Interpretation könnte es sich um die Dornenkrone Christi, betenden Hände, eine Krone Marias oder aber eine Blüte handeln.
Ein weiteres äußerst beeindruckendes Werk des Architekten Oskar Niemeyer ist der Nationale Kongresspalast. Wohl eines der bekanntesten Gebäude in Brasilia. Hier beweist der Architekt seinen Mut zur freizügigen Gestaltung und unkonventioneller Formgebung. Mit seinen utopischen Elementen erinnert der Congresso Nacional an fliegende Untertassen. In der Kuppel befindet sich der Sitz des Senats, in der Schale der Sitz des Abgeordnetenhauses. Die Büros der Abgeordneten sind in den beiden Hochhäusern untergebracht.
Auf der anderen Seite der Praça dos Três Poderes, - dem Platz der drei Gewalten -, steht der Palácio do Planalto, Amtssitz des Staatspräsidenten. Weiße Säulenelemente schmücken das fantasievolle Gebäude aus Glas. Den dritten Teil der drei Gewalten, Exekutive, Legislative und Judikative, bildet das Justizministerium. Es beeindruckt durch seine besondere Frontgestaltung mit nach innen gewölbten Dachverbindungen, aus denen in kleinen Fontänen Wasser herabrieselt.
Nicht weit vom Praça dos Três Poderes entfernt gelangt man zum Fernsehturm, mit 224 Meter das höchste Bauwerk der Stadt. Vom Restaurant auf einer Panoramaplattform in 75 Meter Höhe genießt man eine herrliche Aussicht. Der ursprüngliche "Plano Piloto" (Anfangsplan) lässt sich von oben deutlich erkennen. Außerdem ist hier das Edelsteinmuseum "Museu Nacional de Gemas" untergebracht.
Eines der schönsten Gebäude in Brasilia, ebenfalls von Oskar Niemeyer erschaffen, ist meines Erachtens nach der "Palácio do Itamarati", der das Außenministerium beherbergt. Gläserne Wände scheinen sich direkt aus dem umgebenden Wassergarten, - ein Werk des Landschaftsarchitekten Roberto Burle -, zu erheben. Laufstege aus Beton, eingesäumt von Wasserpflanzen, führen zum Eingang. Über der Wasserfläche schwebt die Skulptur "Meteor" von Bruno Giorgi, eine symbolische Darstellung der fünf Erdteile.
Um die Wasserversorgung in der Region zu garantieren, hat man in Brasilia einen riesigen, künstlichen See, den Paranoá-See, angelegt. Heute beherbergt er den zweitgrößten Yachthafen Brasiliens. Außerdem ist er beliebt bei Wakeboard-Fahrern und Windsurfern. Über den See führt die Juscelino-Kubitschek-Brücke, benannt nach dem brasilianischen Regenten Juscelino Kubitschek de Oliveira, der die Stadt Brasilia als Hauptstadt anlegen ließ.
Wer mehr über die Hintergründe und den Bau der ungewöhnlichen, modernen Hauptstadt von Brasilien erfahren möchte, sollte einen Abstecher in das zirka vierzig Kilometer entfernte Planaltina unternehmen. Hier gibt es ein historisches Museum mit Dokumenten über die Entstehung Brasilias. Außerdem kann der Grundstein besichtigt werden, der bereits 1922 in der Nähe der Stadt Planaltina niedergelegt wurde.
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