Perus Hauptstadt zwischen Kolonialbauten, Moderne und Elendsvierteln Rund acht Millionen Menschen leben heute in Lima, Hauptstadt von Peru und mit Abstand die größte Stadt des Landes.
Aber anders als in anderen Metropolen Südamerikas wachsen hier nicht riesige Wolkenkratzer in den Himmel, sondern die Stadt frisst sich die ausgetrockneten Hügel der Küstenwüste hinauf und geht immer mehr in die Breite. Mittlerweile umfasst das Stadtgebiet von Lima mit seinen Außenbezirken eine Fläche von fast 2.700 Quadratkilometer, mehr als das Saarland Der ursprüngliche Stadtkern am Südufer des Río Rímac bildet nur einen winzigen Teil der heutigen Riesenmetropole. Hier hatte der spanische Eroberer Francisco Pizarro im Jahr 1535 auf einer Eingeboreneninsel die "Stadt der Könige" gegründet. Ein strategisch günstiger Punkt. Von hier konnte man schnell ins Landesinnere gelangen und gleichzeitig waren die Schiffe im Hafen von Callao in leicht erreichbarer Nähe. 1542 wurde Lima Hauptstadt des Vizekönigsreichs Peru, das zur damaligen Zeit, abgesehen von Brasilien und den drei Guayanas, ganz Südamerika umfasste. Lima entwickelte zu einer der prächtigsten und reichsten Städte des spanischen Weltreichs.
Fürchterliche Erdbeben in den Jahren 1687 und 1746 vernichteten leider viele der prachtvollen Bauten. Im historischen Stadtkern von Lima sind nur noch wenige Gebäude aus der Zeit vor 1746 vorhanden. Das was aus der Kolonialzeit übrig blieb, ist immerhin noch so beeindruckend, dass die Altstadt im Jahr 1991 von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt wurde.
Den Mittelpunkt bildet die Plaza de Armas mit der herrlichen Kathedrale, die Anfang des 17. Jahrhunderts fertig gestellt wurde. In dem 1746 teilweise restaurierten Gebäude wird in einer Seitenkapelle der Sarg von Francisco Pizarro aufbewahrt. Zwischen dem Palacio de Gobierno und dem Palacio Muncipal, in dem sich das Rathaus befindet, erinnert zudem eine Reiterstatue an den spanischen Eroberer und Gründer der Stadt.
Nur wenige Schritte entfernt gelangt man zum Convento de San Francisco, einem Kloster samt Kirche aus dem 17. Jahrhundert. Eine Bibliothek im Inneren beherbergt mehr als 25.000 seltene antike Bücher. In den Katakomben ruhen die Gebeine von rund 1.000 Menschen.
Sehenswert ist auch der Congreso Nacional, das prächtige Parlamentsgebäude auf der Plaza Bolivar. Wer sich von Brutalität nicht abschrecken lässt, kann auf demselben Platz auch das Casa de Inquisición besichtigen. Hier war von 1510 bis 1820 der Sitz des Inquisitionsgerichts. Anhand von Darstellungen über die Foltermethoden erhält man einen grausigen Einblick in eine dunkle und gnadenlose Vergangenheit.
Einen Eindruck vom ehemaligen Glanz im Königreich Peru spiegeln die alten Palastbauten aus der Kolonialzeit, wie zum Beispiel der Palacio Torre Tagle, der auch im Inneren teilweise zur Besichtigung freigegeben wird. Den Prachtbau aus dem Jahr 1735 kann man getrost als eines der schönsten Gebäude in Lima bezeichnen. Heute beherbergt er das Außenministerium.
Die moderne Seite von Lima präsentiert sich im Stadtteil Miraflores. In dem einstigen Seebad, das durch karges, unbebautes Land, vom Zentrum abgeschnitten war, locken heute komfortable Sterne-Hotels, elegante Boutiquen, schicke Cafés, ausgedehnte Einkaufszentren und schrille Discos die Touristen an.
Wer's lieber gemütlicher mag, findet in Barranco die richtige Kulisse. Rund um die Seufzerbrücke lässt es sich gemächlich in den Tag hinein träumen. Nachts verwandelt sich das Künstlerviertel in ein Paradies der Geselligen und Lebenskünstler. Dann sind die engen Gassen und Jazzclubs von Nachtschwärmern überfüllt.
Außerhalb des Innenstadtbezirks zeigt sich das Lima der Randbezirke und Vorstädte, die sich immer weiter ausbreiten. In der Hoffnung auf ein besseres Leben siedeln sich in den Randbereichen immer mehr Menschen aus den Dörfern der Hochebenen an. Die Folge sind Tausende von Wellblechhütten. In diesen Elendsvierteln, Barriadas genannt, lebt etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung der Stadt.
Fast ständig schwebt eine Glocke aus dichtem Nebel und Abgasen über der Stadt. Nicht verwunderlich, denn täglich schieben sich 800.000 Privatfahrzeuge und 60.000 Busse durch die Straßen. Betonbauten gelten in Lima als Zeichen für Wohlstand. Und so sind im gesamten Stadtbereich nur wenige Parks und Grünflächen zu finden.
Als Ausgleich verbringen viele Limaner ihre Wochenenden oder Ferien in Chaclacayo oder Chosica, zwei östlich von Lima gelegene Ort im Santa-Eulalia-Tal, einem Nebental des Río Rímac. Besonders in den Monaten von Juni bis September, wenn Lima unter dem berüchtigten Küstennebel Garúas leidet, zieht es die Einwohner in das hier herrschende sommerliche Klima.
Wer Lima besucht, sollte einen Abstecher in das dreißig Kilometer südlich gelegene Pachacámac einplanen. In der Nähe der Stadt befindet sich eine bedeutende archäologische Fundstätte. Die Ruinen gehören zu einer einstigen Tempelstadt, die bereits vor der Eroberung des Landes durch die Inka eine bedeutende Wallfahrtsstätte war. Hier wurde der Schöpfergott Pachakamaq vom Volk der Ichma verehrt. Einige der Tempel, wie der Mondtempel oder Tempel der Sonnenjungfrauen wurden restauriert.
Aber auch für Badehungrige und Surffans hat Perus Metropole einiges zu bieten. An die Strände der Costa Verde vor Miraflores rollen tagtäglich die besten Wellen zum Surfen ans Land. In Punta Rocas erreichen sie eine Höhe von fünf Meter, in 43 Kilometer weiter südlichem Pico Alto sogar zehn Meter. Nur der häufige Nebel, der ausgerechnet während der besten Brandungszeit von April bis September auftritt, kann den Spaß etwas verringern. Übrigens, in Peru hat Surfen eine lange Tradition. Funde von 2.000 Jahre alten Keramiken und Textilien zeigen bereits Bilder von Wellenreitern.
Lima ist eine Stadt der Gegensätze. Um sie richtig kennen und lieben zu lernen, sollte man sich etwas Zeit lassen und wie die Einwohner allen Problemen mit großer Gelassenheit begegnen. ZURÜCK
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