Mit einer Propellermaschine durch die Tafelberge im Bergland von Guanyana
Ein Abenteuer der ganz besonderen Art und absolutes Highlight auf unserer Rundreise durch Venezuela war die Flugsafari mit einer Propellermaschine über den Gurí-Stausee durch die Tafelberge (Tepuy) zum Salto Angel und Kavac.
Das Wetter war uns hold und so hatten wir einen überwältigenden Blick auf die Savannen- und Dschungellandschaft der Gran Sabana, wo die mächtigen Tafelberge steil aus dem Boden hervorragen. Weite Flächen der "Berge der Götter", wie die Tepuys von den Indianern genannt werden, sind wegen ihrer schweren Zugänglichkeit bis heute noch unerforscht.
Flugtauglich sollte man bei dieser Tour allerdings sein, der Pilot flog dicht an den gewaltigen Felswänden der Tafelberge vorbei durch das Tal des Charún auf den Salto Angel zu. Und dann sahen wir ihn. In einem schmalen Rinnsaal stürzt der höchste Wasserfall der Erde, von den Indianern "Cherum-Merú" genannt, vom Gipfel des 2.400 Meter hohen Auyan Tepuy fast 1.000 Meter hinunter in den Río Carrao. Ein eindrucksvoller Anblick, der wohlgemerkt nur bei schönem Wetter überhaupt möglich ist. Oftmals verschwindet der Wasserfall vollkommen im Nebel oder unter den Wolken.
Eigentlich durch Zufall entdeckte sein Namensgeber, Jimmy Angel, den Wasserfall. Der aus Missouri stammende Buschpilot erhielt im Jahr 1936 den Auftrag, im Gebiet Guayana nach Gold und Diamanten zu suchen. Seine Ausbeute war alles andere als erbaulich, aber er hatte im Laufe seiner Expedition den großen Wasserfall entdeckt. Bei seiner Heimkehr wurde er jedoch schwer enttäuscht. Keiner glaubte ihm, als er von seiner Entdeckung berichtete. Enttäuscht flog er ein Jahr später mit seiner Frau und zwei Freunden nochmals das Guayana-Massiv an. Mit seiner einmotorigen Propellermaschine "Flamingo" gelang es ihm zwar, auf dem morastigen Boden des Auyun Tepuy zu landen, aber er fand keine Möglichkeit, wieder zu starten.
Auf sich selbst angewiesen, ohne Möglichkeit Hilfe herbeizurufen, setzten die vier alles auf eine Karte und wagten den Abstieg vom Plateau. Nicht zuletzt, weil einer der Freunde, Gustavo Henney, die Südseite des Auyun Tepuy bereits einmal bestiegen und Erfahrungen mit Dschungeldurchquerungen hatte, gelang ihnen in nur elf Tagen der Rückweg durch den dicht bewachsenen Urwald. Nun endlich schenkte man ihm Glauben und der höchste Wasserfall der Erde erhielt den Namen Salto Angel. In seinem Testament verfügte Angel, dass man seine Asche nach seinem Tod über den Wasserfall verstreuen sollte. Dieser letzte Wille wurde ihm erfüllt. 33 Jahre verblieb das Originalflugzeug auf dem Bergplateau. Heute kann man es im Flugzeugmuseum von Maracay bewundern. Auf dem Auyan Tepuy steht nunmehr lediglich eine Attrappe.
Nach dem aufregenden Flug durch die Tafelberge landeten wir in dem Indiandörfchen Kavac, das uns mit seinen palmbedeckten Hütten und Häusern faszinierte. In einfachen Rundhütten werden hier übrigens auch Übernachtungen in Hängematten angeboten. Weiter ging es zu Fuß durch den dicht bewachsenen Dschungel zur Cueva de Kavac, Diese grandiose, üppige Landschaft steht unter strengem Naturschutz, selbst Rauchen ist hier verboten, keine Kippen sollen die naturbelassene Schönheit zerstören. Tatsächlich findet man in diesem Gebiet eine Vielzahl an einzigartigen Tieren und Pflanzen, die nur hier anzutreffen sind und geschützt werden sollen. Über einen schmalen Pfad gelangten wir zu einer Schlucht, die so eng ist, dass der Fluss an ihrem Ende die gesamte Breite einnimmt. Ein überwältigender Anblick bot sich uns! Aus 30 Meter Höhe stürzt ein Wasserfall in die Tiefe, durch die schäumende Gischt flutet das Sonnenlicht über hängende Gärten. Hier möchte man länger verweilen, im kühlenden Nass baden oder einfach nur die traumhafte Aussicht genießen…
Nach einer ausgiebigen, erholsamen Rast traten wir schließlich den Rückweg an. Im Indiandorf angekommen, wurde uns ein schmackhaftes Mahl gereicht, unter anderem Grillfleisch, Fisch, Süßkartoffeln, gebratenen Kochbanane und Maisfladen. Ein leckerer Abschluss nach dem wunderbaren Ausflug.
Zur Bildergalerie
ZURÜCK
|