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In der Cueva del Guácharo Drucken E-Mail
Freitag, 13. Juni 2008 um 10:29
Ein außergewöhnliches Abenteuer im Erdinneren von Venezuela

Eingang zur Cueva del GuácharoDie Cueva del Guácharo, die längste Tropfsteinhöhle Südamerikas, liegt im Nordosten von Venezuela, im gleichnamigen Naturpark, etwa 13 Kilometer von Caripe entfernt. Ihre Berühmtheit erlangte die Höhle durch ihre erstaunlichen Bewohner, den Guácharo, vegetarische Nachtvögel, die sich wie Fledermäuse durch Ultraschall orientieren.

Ausnahmsweise nicht mit dem Boot oder dem Flugzeug, sondern mit einem Bus fuhren wir zur Cueva del Guácharo im gleichnamigen Nationalpark. Nach einer Tour durch subtropischen Wald im Hochland von Macizo de Caripe gelangten wir schließlich zu der berühmten Höhle, die gemeinsam mit ihren einzigartigen Bewohnern, den Guácharos, im Jahre 1799 von Alexander von Humboldt entdeckt wurde. Lediglich etwa elf Kilometer des Höhleninneren wurden bisher erforscht, noch immer ist die gesamte Ausdehnung nicht bekannt.

 

Ein Guacharo (Fettschwalm)Aber nicht die Höhle selbst, sondern vor allem die außergewöhnlichen Vögel, die in ihrem Inneren hausen, haben die Cueva del Guácharo in aller Welt bekannt gemacht. Die Indios nennen sie "Guácharo", auf Deutsch heißen sie Fettschwalm. Bei dieser besonderen Spezies handelt es sich um etwa hühnergroße, nachtaktive Vögel, die, - ähnlich wie Fledermäuse -, zur Orientierung ein Echolotsystem benutzen. Erst in der Dämmerung verlassen die Guácharos mit lauten Gekreisch die Höhle, um sich auf ihre ausschließlich vegetarische Nahrungssuche zu begeben. Wie Vampire kehren sie im ersten Morgengrauen wieder in ihre dunkle Behausung zurück.

 

In der Cueva del GuácharoUns lief beim Betreten der Cueva del del Guácharo ein leichter Schauer über den Rücken. Die zahlreichen Guácharos, - etwa 18.000 Vögel leben in der Höhle -, stimmen ein schrilles Gekreische an, am Boden liegen Haufen von Kot, die nicht wenig Gestank mit sich bringen und die so glitschig sind, dass wir aufpassen mussten, nicht auszurutschen. Außerdem war es ziemlich finster. Und immer wieder das schaurige Geschrei der Vögel, deren Klang selbst Alfred Hitchcock veranlasste, für den Soundtrack seinen Films "Die Vögel" ein Aufnahmeteam nach Venezuela zu dieser Höhle zu schicken.

Wegen ihrer dicken Fettpolster dienten die Guácharos einst den Indianern zur Speiseölgewinnung und wurden deshalb zu Tausenden getötet. Um ihren Fortbestand zu erhalten, stehen die Vögel in Venezuela heute unter Naturschutz. Deshalb dürfen sie in der Höhle nicht durch helles Licht gestört werden. Auch Blitzen mit der Fotokamera ist nicht erlaubt.

 

In der Cueva del GuácharoSo drangen wir dann, begleitet von ständigen Schreien der Vögel, tiefer in das Höhleninnere hinein. Im Laufe der Jahrtausende haben sich bizarre Stalagmiten und Stalaktiten haben sich gebildet. Vorbei ging's an heruntergefallenen Samen, die sich zu großen Hügeln gebildet hatten. Trotz der Dunkelheit beginnen manchmal einige der Körner zu keimen und zu wachsen, aber wegen des fehlenden Lichts erreichen die Pflanzen nur eine geringe Höhe.

 

In der Cueva del GuácharoAllmählich wurden die Durchgänge schmaler, und, obwohl sich die Augen ständig mehr an die Dunkelheit gewöhnten, kam es mir im Laufe des Weges immer nachtschwärzer vor. Man konnte kaum die eigene Hand vor Augen erkennen, man lief einfach wie blind hinter dem Vordermann her. Nach etwa 800 Meter und dem Passieren eines besonders engen Durchstiegs änderte sich unvermittelt alles. Mit einem Mal herrschte absolute Stille und auch der bestialische Kotgestank hatte ein Ende. Wir hatten den "Saal der Ruhe" erreicht. Welch ein Anblick! In tausenden Farben strahlten und glitzerten die Tropfsteine, die als Kalkkristalle auskristallisiert sind, im Laternenschein. Die uns umhüllende Stille wurde nur durch einen rauschenden Fluss aus der Tiefe unterbrochen. Der beschwerliche Weg hatte sich gelohnt!

Dieser Ausflug auf den Spuren von Alexander von Humboldt war wirklich ein imposantes und eindrucksvolles Erlebnis. Ein kleiner Tipp für diejenigen, die ebenfalls die Cueva von Guácharo besuchen wollen. Rüsten Sie sich mit festem Schuhwerk, einer warmen Jacke oder einem Pullover und mit einer Taschenlampe aus.

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Aktualisiert ( Mittwoch, 18. Juni 2008 um 10:57 )
 
 

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